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Katastrophenschutz in Oberberg

KATASTROPHENSCHUTZ

Der Oberbergische Kreis informiert mittlerweile monatlich über den Stand seiner Notfallvorsorge. Die aktuelle Pressemitteilung beschäftigt sich – fünf Jahre nach der Flutkatastrophe von 2021 – mit Hochwasserschutz und Überflutungsvorsorge.

Der Kreis verweist dabei unter anderem auf den 2024 beschlossenen Katastrophenschutzbedarfsplan, den Ausbau des Sirenen- und Warnsystems, Satellitentelefone, regelmäßige Übungen des Führungsstabs, ein neues Katastrophenschutzlager und die kreisübergreifende Zusammenarbeit an Agger und Wupper. Das sind wichtige und richtige Schritte.

Aber der Ernstfall ist längst nicht mehr nur das nächste Hochwasser.

Die OVZ berichtet heute unter Berufung auf das Robert Koch-Institut von geschätzt 5.100 Hitzetoten allein bis Ende Juni 2026. Rund 4.310 Menschen starben demnach in nur einer besonders heißen Woche. Besonders betroffen waren hochaltrige Menschen. Der Juni 2026 war laut Deutschem Wetterdienst der zweitwärmste seit Beginn der Messungen.

Ralph hat dazu aus seiner Arbeit für einen Ausschuss der Ärztekammer Nordrhein eine sehr konkrete Frage formuliert: Was geschieht, wenn bei einem kritischen Hitzeindex Pflegeeinrichtungen ohne ausreichende Kühlung nicht mehr sicher betrieben werden können? Wie und wohin sollen im Ernstfall Hunderte pflegebedürftige, teilweise nicht transportfähige Menschen evakuiert werden?

Genau solche Szenarien gehören aus meiner Sicht in die Fortschreibung unseres Katastrophenschutzes. Nicht erst 2029, sondern jetzt. Hitze, Dürre, Wasserknappheit, Waldbrandgefahr und die gleichzeitige Belastung von Rettungsdienst, Kliniken, Pflege, Strom- und Wasserversorgung müssen ebenso konkret geplant und geübt werden wie Hochwasserlagen.

Prof. Stefan Rahmstorf hat bei Europe Calling noch einmal deutlich gemacht, wie schnell sich die Bedingungen verändern. Die globale Erwärmung liegt inzwischen bei etwa 0,3 bis 0,4 Grad pro Jahrzehnt. Zugleich gibt es starke Hinweise darauf, dass sich die Atlantische Umwälzströmung bereits abschwächt. Für Europa könnte das zusätzliche Veränderungen bei Temperatur, Niederschlag, Dürre und Wetterextremen bedeuten. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Vorbereitung auf einzelne Ereignisse, sondern auf mehrere gleichzeitig oder unmittelbar nacheinander eintretende Belastungen.

Dazu stellen sich für uns einige sehr praktische Fragen: Gibt es im Oberbergischen Kreis verbindliche Alarmierungs- und Einsatzschwellen für extreme Hitze? Sind Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und ambulante Dienste in die Katastrophenschutzplanung einbezogen? Existieren belastbare Evakuierungs-, Kühlungs- und Ersatzversorgungskonzepte? Werden kombinierte Lagen geübt – etwa Hitze, Dürre, Waldbrand und Stromausfall gleichzeitig? Und wird die wissenschaftliche Szenarienbasis regelmäßig nach dem jeweils neuesten Stand aktualisiert?

Ralph verweist zudem auf Berechnungen von Prognos: Die klimabedingten Schäden in Deutschland könnten sich bis 2050 auf rund 910 Milliarden Euro summieren. Durch konsequente Anpassungsmaßnahmen ließen sie sich erheblich reduzieren – und vor allem könnten Menschenleben gerettet werden.

Aus meiner Sicht reicht es nicht, einzelne Katastrophenszenarien jeweils für sich fortzuschreiben. Der Oberbergische Kreis braucht darüber hinaus eine klare Resilienzstrategie, die soziale, technische und ökologische Systeme gemeinsam betrachtet. Resilience Engineering bedeutet für mich, nicht nur auf bekannte Gefahren vorbereitet zu sein, sondern auch unter unerwarteten, kombinierten oder sich gegenseitig verstärkenden Belastungen handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören realistische Mehrfachszenarien, dezentrale Entscheidungskompetenz, belastbare Redundanzen, kontinuierliche Lageauswertung und die Fähigkeit, aus Übungen und realen Einsätzen unmittelbar zu lernen.

Wer entwickelt für den Oberbergischen Kreis eine solche systemübergreifende Resilienzstrategie – und wie werden Kommunen, Rettungsdienst, Kliniken, Pflege, Versorger, Wasserverbände, Wirtschaft und Zivilgesellschaft daran beteiligt?

Die aktuelle Pressemitteilung des Kreises hänge ich euch zur Information an. Sie zeigt, was bereits geschieht. Sie sollte aber zugleich Ausgangspunkt für die Frage sein, ob unser Katastrophenschutz wirklich auf dem letzten Stand der wissenschaftlich absehbaren Gefahren ist.

Beste Grüße
Marie

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