Neuer Rassismusmonitor zeigt erschreckende Einstellungen in Deutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen und im Oberbergischen Kreis geben aktuelle Zahlen Anlass zur Sorge.
Rassismus beginnt nicht erst bei offenen Anfeindungen oder körperlicher Gewalt. Er zeigt sich auch dort, wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihres Namens oder ihrer Religion schlechter behandelt werden. Wie tief solche Vorstellungen in unserer Gesellschaft verankert sind, zeigt der neue Monitoringbericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa).
Die bundesweite Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen:
36 Prozent der Befragten glauben, dass es unterschiedliche menschliche „Rassen“ gebe – obwohl eine solche biologische Einteilung wissenschaftlich widerlegt ist. Fast die Hälfte (48 Prozent) meint, bestimmte Bevölkerungsgruppen seien „von Natur aus fleißiger“ als andere. Und 66 Prozent halten bestimmte Kulturen für fortschrittlicher und besser als andere.
Das sind keine Einstellungen, die ausschließlich an den politischen Rändern vorkommen. Die Untersuchung zeigt, wie weit rassistische Denkmuster in der Gesellschaft verbreitet sind.
Auch in Oberberg steigt die Zahl rechter Straftaten
Ein Blick auf die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen und dem Oberbergischen Kreis zeigt, warum diese Entwicklung auch vor Ort ernst genommen werden muss.
2025 wurden in Nordrhein-Westfalen 6.268 politisch rechts motivierte Straftaten registriert. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Darunter waren 191 Gewaltdelikte.
Im Oberbergischen Kreis stieg die Zahl der registrierten rechten Straftaten von 57 im Jahr 2024 auf 81 im Jahr 2025 – ein Anstieg um rund 42 Prozent.
Besonders auffällig sind die Entwicklungen in Gummersbach mit 23 Fällen gegenüber elf im Vorjahr und in Wiehl mit 19 gegenüber acht Fällen. Kreisweit wurden unter anderem 51 Delikte nach den Paragrafen 86 und 86a des Strafgesetzbuchs sowie sieben Fälle von Volksverhetzung erfasst.
Diese polizeilichen Zahlen bilden allerdings nur bekannt gewordene Straftaten ab. Alltägliche Diskriminierung, Ausgrenzung und rassistische Anfeindungen unterhalb der Strafbarkeitsschwelle tauchen darin häufig gar nicht auf.
Diskriminierung beschädigt das Vertrauen in unsere Demokratie
Der NaDiRa-Bericht untersucht nicht nur Einstellungen, sondern auch die Erfahrungen der Betroffenen und deren Vertrauen in staatliche Institutionen.
Fast drei Viertel der rassistisch markierten Befragten (73 Prozent) berichteten für das Jahr 2025 von Diskriminierungserfahrungen. Bei nicht rassistisch markierten Menschen waren es 37 Prozent.
Die Untersuchung zeigt außerdem einen deutlichen Zusammenhang zwischen häufigen Diskriminierungserfahrungen und geringerem Vertrauen in Polizei, Politik und staatliche Institutionen.
Das ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn eine Demokratie lebt davon, dass alle Menschen darauf vertrauen können, gerecht behandelt zu werden – unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe.
Nordrhein-Westfalen: Beratungsstellen verzeichnen Höchststand
Auch der Jahresbericht 2025 der Antidiskriminierungsberatung NRW unterstreicht die Problematik.
Rund 1.200 Menschen wandten sich im vergangenen Jahr an die 42 Beratungsstellen. Die Zahl neuer Fälle stieg um rund 15 Prozent. In mehr als 60 Prozent der dokumentierten Fälle spielte Rassismus eine Rolle.
Besonders häufig geschah Diskriminierung im Bildungsbereich, am Arbeitsplatz und beim Kontakt mit Behörden und Justiz.
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in NRW ein neues Landesantidiskriminierungsgesetz. Allerdings sind die Gemeinden und Kreise ausdrücklich von seinem Geltungsbereich ausgenommen.
Gerade für die kommunale Ebene bleibt damit eine wichtige Frage offen: Wie sorgen wir dafür, dass Menschen auch gegenüber ihrer Stadt- oder Kreisverwaltung wirksam vor Diskriminierung geschützt werden?
Was bedeutet das für Oberberg?
Der Anstieg der politisch rechts motivierten Straftaten im Oberbergischen Kreis um rund 42 Prozent innerhalb eines Jahres ist ein deutliches Warnsignal. Er zeigt, dass wir uns auch vor Ort intensiver mit Rassismus, Diskriminierung und dem Schutz der Betroffenen auseinandersetzen müssen.
Dabei fangen wir in Oberberg keineswegs bei null an. Mit dem Netzwerk gegen Rechts, seinem Handlungskonzept, den Initiativen in unseren 13 Städten und Gemeinden sowie bestehenden Beratungsangeboten gibt es bereits zahlreiche engagierte Akteur*innen.
Allerdings müssen wir unterscheiden zwischen Prävention und politischer Bildungsarbeit, der strafrechtlichen Verfolgung rechter Straftaten und dem konkreten Schutz sowie den Beschwerdemöglichkeiten für Menschen, die Diskriminierung erfahren.
Seit dem 1. Oktober 2026 gilt in Nordrhein-Westfalen das neue Landesantidiskriminierungsgesetz. Ausdrücklich ausgenommen sind nach § 3 jedoch die Gemeinden und Gemeindeverbände – und damit auch der Oberbergische Kreis.
Angesichts dieser Schutzlücke und der besorgniserregenden Entwicklung wollen wir GRÜNE gemeinsam mit den bestehenden Netzwerken, Beratungsstellen und kommunalen Akteur*innen darüber beraten, wie sich die Schutzstandards des Landesgesetzes auch im Oberbergischen Kreis rechtlich verbindlich verankern lassen.
Denn wirksamer Diskriminierungsschutz darf nicht von wechselnden politischen Mehrheiten abhängen.
Mit dieser Frage wird sich unsere GRÜNE Kreistagsfraktion beschäftigen. Zugleich berührt das Thema auch unsere frauenpolitische Arbeit im Kreisverband, die mit unserer neuen frauenpolitischen Sprecherin Sarah Hanuschik ausdrücklich einen intersektionalen Ansatz verfolgt und damit auch Mehrfachdiskriminierung in den Blick nimmt.
Der vollständige Bericht zum Nachlesen
Der NaDiRa-Monitoringbericht 2026 trägt den Titel „Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen – Rassismus und Diskriminierung in Deutschland“. Er wurde am 19. März 2026 veröffentlicht und enthält neben den wissenschaftlichen Analysen konkrete Handlungsempfehlungen.
