HITZE: VORBEREITUNG STATT PANIK
Seit wenigen Tagen ist im Haus der Zukunft auf :metabolon die Wanderausstellung „Klima im Wandel: Wie können wir uns daran anpassen?“ zu sehen. Bis zum 5. August können Besucherinnen und Besucher sie täglich von 8 bis 18 Uhr kostenfrei besuchen. Der Zeitpunkt könnte kaum passender sein: Die extreme Hitzewelle Ende Juni hat auch in Oberberg gezeigt, dass Klimaanpassung längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr ist.
Die Ausstellung setzt dabei nicht auf Katastrophenbilder oder Panik. Sie zeigt ganz praktisch, wie Häuser vor Überhitzung geschützt werden können, wie Verschattung, Begrünung und Entsiegelung wirken und warum wir Wasser in unseren Städten und Gemeinden anders zurückhalten und verteilen müssen. Es geht um unsere Wohnungen, unsere Wälder und landwirtschaftlichen Flächen, aber auch um die Frage, wie unsere öffentliche Infrastruktur unter veränderten klimatischen Bedingungen funktionsfähig bleibt.
Die Hitzewelle war ein regionaler Stresstest
Ende Juni stieg die Zahl hitzebedingter Behandlungen in den Krankenhäusern in Gummersbach und Waldbröl spürbar an. Menschen kamen mit Kreislaufbeschwerden, Flüssigkeitsmangel oder einer Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen in die Notaufnahmen. Zeitweise drohten die oberbergischen Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen zu geraten. Ärzte, Notfallsanitäter und weitere Beschäftigte des Rettungsdienstes wurden deshalb zur Unterstützung in die Notaufnahmen geschickt.
Bereits in der Nacht zuvor waren rund 100 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus Oberberg nach Köln gefahren, um beim Aufbau eines Behelfskrankenhauses mit 50 Plätzen in den Messehallen zu helfen. Parallel wurden drei mögliche Standorte für Behelfskrankenhäuser im Oberbergischen Kreis bestimmt. Rund 160 freiwillige Kräfte standen für den Fall einer weiteren Zuspitzung bereit. Dass diese Reserven letztlich nicht benötigt wurden, zeigt, dass die regionale Zusammenarbeit funktioniert hat. Es zeigt aber auch, wie nah wir an einer Überlastung waren.
Wie hoch die Belastung für die Helfenden selbst war, zeigen Rückmeldungen aus dem Rettungsdienst, die der oberbergische Hausarzt und Vorsitzende des Hausärzteverbandes Ralph Krolewski zusammengetragen hat. Beschäftigte berichteten demnach von 24-Stunden-Diensten unter extremer Hitze und einem stark erhöhten Einsatzaufkommen. Das an den Rettungswachen bereitgestellte Wasser erreichte die Besatzungen im Dauereinsatz kaum, weil sie nur selten zu ihren Wachen zurückkehrten. Zeitweise mussten etwa sechs Rettungswagen wegen defekter Klimaanlagen aus dem Einsatz genommen werden. Viele Beschäftigte waren schließlich selbst hitzeerschöpft.
Das ist ein entscheidender Punkt: Ein Rettungsdienst kann die Bevölkerung nur schützen, wenn auch seine Beschäftigten, Fahrzeuge und Wachen auf extreme Temperaturen vorbereitet sind.
Auch Schulen und öffentliche Einrichtungen reagierten. Unterricht wurde verkürzt oder in kühlere Räume, Foyers, Wälder und schattige Außenbereiche verlegt. Schülerinnen, Schüler und Beschäftigte wurden mit Wasser versorgt, Wertstoffhöfe schlossen zum Schutz ihrer Mitarbeitenden früher. Vieles wurde schnell, pragmatisch und mit großem persönlichem Einsatz organisiert.
Doch Improvisation darf nicht unser dauerhaftes Hitzeschutzkonzept sein.
Wie verbreitet das Problem ist, zeigt eine aktuelle Befragung von 2.871 Pflegeheimen, ambulanten Diensten und anderen sozialen Einrichtungen. 82 Prozent waren von der Hitzewelle stark oder sehr stark betroffen. Nur 21 Prozent verfügten über Klimaanlagen oder vergleichbare Kühltechnik, lediglich 30 Prozent über einen Hitzeschutzplan. Fast 90 Prozent berichteten von körperlicher Erschöpfung und Belastung der Beschäftigten.
Aus Konzepten müssen verlässliche Abläufe werden
Der Oberbergische Kreis hat mit seinem interkommunalen Klimawandelanpassungskonzept und der Koordinierungsstelle Klima-Umwelt-Natur-Oberberg wichtige Grundlagen geschaffen. Genau daran knüpft auch die neue Ausstellung auf :metabolon an. Nun müssen aus diesen Grundlagen verbindliche und überprüfbare Maßnahmen werden.
Unser politisches Ziel ist ein operativer Hitzeaktionsplan für den Oberbergischen Kreis, der sich an den Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes orientiert. Darin muss festgelegt sein, wer bei welcher Warnstufe welche Maßnahmen auslöst und wie Kreis, Kommunen, Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen zusammenarbeiten.
Wir brauchen benannte Verantwortliche, überwachte Raumtemperaturen und Hitzenotfallpläne für Einrichtungen, in denen Menschen sich nicht selbst schützen können. Wir brauchen verlässlich klimatisierte Rettungsfahrzeuge und Rückzugsräume für die Einsatzkräfte, Personalreserven für außergewöhnliche Lagen und eine Auswertung nach jeder Hitzewelle: Was hat funktioniert? Wo fehlten Personal, Technik, Räume oder Informationen?
In Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Schulen müssen besonders belastete Räume zuerst geschützt werden – durch außenliegenden Sonnenschutz, Dämmung, Verschattung, Begrünung, geeignete Lüftung und dort, wo es notwendig ist, auch durch Kühltechnik. Kommunen brauchen mehr Schatten, Bäume, entsiegelte Flächen, Trinkwasserangebote und öffentlich zugängliche kühle Orte.
Auch Veranstaltungen des Kreises und der Kommunen müssen vorbereitet sein. Bei großer Hitze gehören ausreichend Trinkwasser, Schattenplätze, Kühlmöglichkeiten, klare Informationen und ein Blick auf besonders gefährdete Besucherinnen und Besucher ebenso selbstverständlich zur Planung wie Brandschutz und Fluchtwege.
Das ist keine Panikmache. Es ist kommunale Daseinsvorsorge.
Was wir selbst tun können
An sehr heißen Tagen sollten körperliche Anstrengungen möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt werden. Räume bleiben tagsüber geschlossen und verschattet; gelüftet wird frühmorgens und nachts. Regelmäßiges Trinken ist wichtig, wobei Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen ihre ärztlichen Vorgaben beachten müssen.
Besonders wichtig ist, aufeinander zu achten: bei älteren Angehörigen, alleinlebenden Nachbarinnen und Nachbarn oder Menschen mit Vorerkrankungen nachzufragen, Wasser anzubieten und Hilfe zu organisieren. Schwindel, Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen können Warnzeichen sein. Betroffene müssen an einen kühlen Ort gebracht und gekühlt werden; bei schweren Symptomen ist sofort die 112 zu wählen.
Die Ausstellung auf :metabolon zeigt, dass wir der Entwicklung nicht hilflos gegenüberstehen. Viele Lösungen sind bekannt. Jetzt kommt es darauf an, sie rechtzeitig umzusetzen – im eigenen Zuhause, in unseren Einrichtungen und politisch in unseren Städten, Gemeinden und im Kreis.
Vorbereitung statt Panik. Vorsorge statt Improvisation. Schutz, bevor die nächste Hitzewelle beginnt.
Ausstellung „Klima im Wandel: Wie können wir uns daran anpassen?“
Haus der Zukunft auf :metabolon, Lindlar
bis 5. August · täglich 8 bis 18 Uhr · Eintritt frei
