B'90/ DIE GRÜNEN Kreisverband Oberberg - Hindenburgstr. 35, 51643 Gummersbach

Sarah, Sylvia und Marie stehen Seite an Seite in der Geschäftsstelle, hinter ihnen ein TV-Bildschirm mit einem Mix aus Grün und Transgender-Flagge kaum zu sehen, dahinter die Frontscheibe der Geschäftsstelle mit Blick auf die Straße, rechts neben den Dreien ein Tisch. Sie stehen eng beieinander, Marie links, Sylvia rechts von Sarah.

Trans*Frauen – zwischen Selbstbestimmung und Ablehnung

„Im Oberbergischen fühle ich mich sicherer als in der Großstadt.“ Sylvia Berghoff ist transident – ihre Geschlechtsidentität stimmt nicht mit dem ihr bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein. Während sie aufgrund ihrer Transgeschlechtlichkeit in der Anonymität großer Städte häufiger Anfeindungen erlebt habe, empfinde sie den ländlichen Raum – dort, wo Menschen sich kennen und Begegnungen persönlicher sind – als respektvoller und solidarischer. Ihre Schilderung machte deutlich: Die Lebensrealitäten von Trans*Frauen sind vielfältig, und Sicherheit hängt nicht nur von Gesetzen, sondern auch vom gesellschaftlichen Klima vor Ort ab.

Vor diesem Hintergrund widmete sich das Frühstück der Grünen Frauen am 31. Januar 2026 dem Thema „Trans*Frauen – zwischen Selbstbestimmung und Ablehnung“. In offener Atmosphäre in der Geschäftsstelle der Grünen Hückeswagen tauschten sich die Frauen über persönliche Erfahrungen, politische Rahmenbedingungen und aktuelle gesellschaftliche Debatten aus.

Frauen aller Altersstufen sitzen in Hufeisenform um einen Holztisch in der Geschäöftsstelle. Der Tisch ist zum Frühstück üppig gedeckt. An der Wand das ein oder andere Plakat und Infoblatt der Partei.

Ein wichtiger Punkt der Diskussion war der respektvolle Umgang mit trans* Menschen im Alltag. Dabei ging es auch um den sogenannten Deadname – den früheren Namen einer trans* Person, der für viele mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden ist und bewusst nicht mehr verwendet werden soll. 

Das absichtliche oder gedankenlose Nutzen dieses Namens kann verletzend wirken und wird von vielen Betroffenen als Form der Missachtung erlebt.

Ein zentraler Schwerpunkt des Treffens war das Selbstbestimmungsgesetz, das seit dem 1. November 2024 in Kraft ist. Es ermöglicht trans-, inter- und nicht-binären Menschen, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen durch eine einfache Erklärung beim Standesamt ändern zu lassen – ohne entwürdigende Gutachten oder Gerichtsverfahren. Damit löst es das menschenunwürdige Transsexuellengesetz ab. Doch das Selbstbestimmungsgesetz steht politisch unter Druck und ist weiterhin Ziel von Desinformation und populistischen Angriffen. Der Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD sieht eine Evaluierung des Gesetzes vor.

Gerade in Zeiten in denen transfeindliche Narrative von Populist*innen verbreitet werden und prominente Stimmen wie Alice Schwarzer oder Autorin J.K. Roling Trans* Ängste schüren und Trans*frauen unter Generalverdacht stelle, ist eine klare Haltung wichtig. Für die Grünen Frauen ist klar: Rechte von Trans*Menschen sind Menschenrechte und nicht verhandelbar.

Immer noch sind Trans*Frauen in besonderem Maße von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt betroffen – sowohl verbal als auch körperlich. Aktuelle internationale Zahlen zeigen, dass Gewalt gegen trans, nicht-binäre und gender-nonkonforme Menschen weltweit ein massives Problem ist. Allein zwischen Oktober 2024 und September 2025 wurden weltweit 281 Morde dokumentiert, die überwiegende Mehrheit der Opfer waren trans* Frauen oder transfeminine Personen (Quelle: Trans Murder Monitoring der Organisation TGEU).

Frauen aller Altersstufen sitzen in Hufeisenform um einen Holztisch in der Geschäöftsstelle. Der Tisch ist zum Frühstück üppig gedeckt. An der Wand stzeht eine Landhausstil-Vitrine, rechts an der hinteren Wand eine Landkarte des Bergischen prominent im Bild, darüber steht '100% Bergisch Energisch'

Studien zeigen, dass Diskriminierung, Ablehnung und Gewalt erhebliche Auswirkungen auf die mentale Gesundheit und Lebenszufriedenheit haben. Die gefährlichste Phase für junge trans* Personen ist die, die sie mit sich allein ausmachen – vor einem Outing, noch bevor sie mit Familie oder Freund*innen über die eigene Geschlechtsidentität sprechen. Ohne ein unterstützendes Umfeld oder den Schritt zu Transition steigt die Gefahr von Selbstverletzung oder Selbstmord.

Marie Brück, Sprecherin der Grünen Fraktion im Oberbergischen Kreistag, ist selbst trans und der Meinung, dass wir generell mehr auf unsere Mitmenschen achten müssen.

Egal ob trans oder nicht – viele Menschen tragen mentale Probleme mit sich rum, die man ihnen nicht ansieht. Deswegen möchte Marie MHFA-Ersthelfer im Oberbergischen etablieren. MFHA steht für Mental Health First Aid, also Erste Hilfe für die Mentale Gesundheit, und hat das Ziel Ersthelfer auszubilden, die kompetent und sicher bei psychischen Gesundheitsproblemen und Krisen helfen können.

Um trans*Jugendliche im Oberbergischen zu unterstützen werden im Rahmen des von der LEADER-Region Oberberg geförderten Projekts „CAYA – Come as you are“ Beratungsstellen und Anlaufstellen für queere Menschen geschaffen. Für Jugendliche der LGBTIQ+-Community soll ein neuer Jugendtreff einen sicheren Treffpunkt bieten.

Schreibe einen Kommentar